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Ausblick

Wirtschaftliche und branchenspezifische Rahmenbedingungen

In den nachfolgenden Erläuterungen zum Ausblick auf 2020 sind die Auswirkungen des Coronavirus nur insofern enthalten, soweit die entsprechenden Informationen beziehungsweise Prognosen bis zum Erstellungszeitpunkt veröffentlicht waren. Die Auswirkungen auf die internationale und deutsche Wirtschaft sind schwerwiegend, aber nach bisherigen Erkenntnissen immer noch nicht präzise abzuschätzen.

Im Februar 2020 ist der Internationale Währungsfonds (IWF) noch davon ausgegangen, dass die Weltwirtschaft unter Berücksichtigung des Coronavirus ein gesundes Wachstum von über 3 % aufweisen wird.20 Diese optimistische Prognose ist nun überholt. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, haben viele Länder auf der Welt seit März 2020 schwere Eingriffe in die Bewegungs- und Handlungsfreiheit umgesetzt. Eine globale Rezession scheint nun unabwendbar. In zahlreichen Ländern wird derzeit davon ausgegangen, dass sich das jeweilige BIP mindestens vier bis fünf Prozentpunkte unterhalb der ursprünglich erwarteten Prognose entwickeln wird.21

Auch für die führenden Industrienationen wurden infolge der Coronakrise sämtliche Wirtschaftswachstumsprognosen deutlich nach unten korrigiert. Laut dem International Monetary Fund (IMF) sind China (+1,2 %) und Indien (+1,9 %) nunmehr die einzigen großen Volkswirtschaften, bei denen noch eine Rezession vermeidbar scheint. Dagegen erwarten die USA einen Rückgang von -5,9 %. Kanada und Japan weisen vergleichbare Prognosen aus. Auch wurde die wirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien auf -6,5 % nach unten korrigiert. Diese Effekte im Zusammenhang mit dem Coronavirus überlagern jegliche anderen Entwicklungen, wie etwa die Austrittsverhandlungen Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit).21

Die allgemeine wirtschaftliche Lage in der Eurozone wird im Jahr 2020 die wohl schwerste Rezession seit der Großen Depression 1929 erfahren. Der IMF rechnet für die Eurozone im Durchschnitt mit einem Rückgang der Wirtschaft von -7,5 %. Für die vier wichtigsten europäischen Volkswirtschaften werden deutliche Rückgänge von -7,0 % (Bundesrepublik Deutschland), von -7,2 % (Frankreich), von -9,1 % (Italien) und von -8,0 % (Spanien) erwartet.21

Das ifo Institut hat für die Bundesrepublik Deutschland verschiedene Szenarien errechnet. Es zeigt sich unter anderem, dass eine einzige Woche Verlängerung des »Shutdowns« einen Rückgang des BIP-Wachstums um 0,7 bis 1,6 Prozentpunkten verursacht. Ob und wie stark die Erholung im Folgejahr 2021 ausfallen wird, ist unklar. Es scheint jedoch wahrscheinlich, dass mehr als ein Jahr benötigt wird, um das alte BIP-Level wieder zu erreichen.22

Im Jahr 2019 bewegte sich der Ölpreis zwischen 53 und 76 US-Dollar je Barrel.23 2020 ist der Ölpreis in den ersten Monaten aufgrund der wegfallenden Nachfrage um rund 70 % eingebrochen und bewegt sich auf einem historisch niedrigen Niveau von unter 30 US-Dollar je Barrel.24

Die demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bayern und vor allem im Flughafeneinzugsgebiet lassen trotz kurzfristiger Einbrüche mittel- bis langfristig eine weitere starke Zunahme der Verkehrsnachfrage am Flughafen München erwarten. Nach den Ergebnissen der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik wird die Einwohnerzahl Bayerns bis zum Jahr 2037 wachsen, vor allem in der Region München, wo sie sogar stark bis sehr stark zunehmen wird. Die Bevölkerung Oberbayerns wird um 9 % zunehmen, im Landkreis München um 12,1 % und in der Stadt München um 11,6 %.25 Im Prognos Zukunftsatlas 2019 führen die Landeshauptstadt München und der Landkreis München gefolgt von der Region Ingolstadt die Regionen mit den besten Zukunftsaussichten an.26 Getrieben vom wachsenden Wohlstand und von einer zunehmenden Bevölkerung entwickelte sich in den vergangenen Jahren vor allem das Aufkommen aus dem Kerneinzugsgebiet des Flughafens München positiv. Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen. Gestützt werden diese Aussagen durch den Teilhabeatlas des Berlin-Instituts und der Wüstenrot Stiftung. In dieser Untersuchung ist München als Top-Standort und als eine der reichsten Großstädte Deutschlands enthalten.27

Der weltweite Luftverkehrsmarkt wird voraussichtlich durch die Auswirkungen der zahlreichen Reisebeschränkungen die größte Krise erleben, die die Branche jemals getroffen hat. Nach anfänglichem Optimismus haben sämtliche Branchen- und Interessenverbände im Wochenrhythmus ihre Prognosen abgesenkt. Mittlerweile scheinen deutliche zweistellige Verluste im globalen Luftverkehr unvermeidlich. Die International Air Transport Association (IATA) hat zum Beispiel im April 2020 die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für 2020 der weltweit verkauften Passagierkilometer von ursprünglich 4,1 % auf -48,0 % gesenkt. Eine präzise und abschließende Abschätzung ist nicht möglich, da die tatsächliche Entwicklung unvorhersehbar bleibt: wie sich Neuinfektionen verhalten, welche Länder wann Reisebeschränkungen aufheben, welche Fluglinien das weitgehende Grounding überleben und wie schwer die unvermeidbare Rezession das Reiseverhalten beeinflusst.28

Prognostizierter Geschäftsverlauf

Die Luftfahrtindustrie ist stärker und unmittelbarer als andere Branchen von den Folgen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Das Coronavirus hat weltweit zu einer Vielzahl von Reisebeschränkungen bei Unternehmen, zur Absage von größeren Veranstaltungen und zu einer starken Verunsicherung bei Konsumenten geführt. Viele Länder wie die USA haben Einreisebeschränkungen für Reisende aus Deutschland verhängt. Die Auswirkungen auf die Nachfrage nach Flugreisen und den Services am Flughafen München sind damit erheblich.

Der Flughafen München geht davon aus, dass die Folgen der Krise die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns im Jahr 2020 in allen Geschäftsfeldern stark beeinflussen wird. Die Dauer der Belastungen ist aktuell nicht abschätzbar, da dies maßgeblich vom konkreten Verlauf der Krise und der Angebots- beziehungsweise Konsumentenreaktion auf die Verbreitung des Virus abhängt. Darüber hinaus ist zurzeit nicht prognostizierbar, welche Auswirkungen die Krise auf die Folgejahre haben wird.

Aktuell rechnet die Geschäftsführung in den Monaten April und Mai 2020 mit Verkehrsrückgängen von über 90 %. Danach wird von einer sukzessiven Erholung auf ein gegenüber dem Vorjahr um rund die Hälfte reduziertes Niveau ausgegangen.

Neben der deutlich negativen Auswirkung der Coronakrise auf die Verkehrsentwicklung wird mit einer Reduzierung der Preise der Flughafenentgelte für 2020 kalkuliert. Die Absenkung der Entgelte ist durch die vorzeitige Schlussabrechnung der über mehrere Jahre abgeschlossenen Entgeltrahmenvereinbarung begründet.

Von den starken Rückgängen sind alle Geschäftsfelder betroffen. Im Geschäftsfeld Aviation kommt es infolge des Passagiereinbruchs zu drastischen Rückgängen bei den Luftverkehrsentgelten. Auch im Geschäftsfeld Commercial Activities sind die Auswirkungen dramatisch, vor allem aufgrund der behördlich angeordneten Schließung der Einzelhandelseinheiten. Im Geschäftsfeld Real Estate fallen die Rückgänge aufgrund der in der Regel langfristigen Mietverhältnisse verglichen mit den anderen Geschäftsfeldern geringer aus.

Vor dem Hintergrund der eingetretenen Verkehrssituation und der damit erheblich rückläufigen Umsatzerlöse geht der Konzern davon aus, dass sich im Geschäftsjahr 2020 auch nach Umsetzung von umfangreichen Gegenmaßnahmen das Ergebnis vor Steuern (EBT) gegenüber dem Vorjahr deutlich verringern wird.

Die Geschäftsführung unternimmt massive Anstrengungen, die Liquidität zu sichern. Dies erfolgt über Einsparungen bei sämtlichen Kosten und Investitionen. So werden zum Beispiel verschiebbare Bauprojekte, welche nicht betriebsnotwendig oder von großer strategischer Relevanz sind, in die Zukunft verlegt. Zum anderen wird ein breites Kostensenkungsprogramm initiiert, das auch Maßnahmen im personellen Bereich, inklusive liquiditätssichernder Instrumente wie Kurzarbeit, beinhaltet.

Der Konzern ist in der Lage, auch weiterhin betrieblich notwendige und strategisch relevante Investitionen zu tätigen. Gegenüber dem Vorjahr wird sich das Gesamtinvestitionsvolumen, trotz der Verschiebung mehrerer Bauvorhaben, auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, aber damit deutlich unter dem in der ursprünglichen Planung vorgesehenen Volumen liegen. Für eine sich gegen Jahresende abzeichnende Liquiditätslücke steht der Flughafen München in Verhandlungen mit seinen Hausbanken. Zu den vorliegenden Angeboten sollen die Gespräche in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Im Lauf des Jahres 2020 werden die Verkehrs-, Ergebnis- sowie Liquiditätsprognosen kontinuierlich aktualisiert und es wird in Abhängigkeit von der weiteren Krisenentwicklung entschieden, wann und in welchem Umfang eine Erhöhung der existierenden Kreditlinien initiiert und gegebenenfalls neue Mittel aufgenommen werden. Damit ist sichergestellt, dass der Konzern jederzeit über die notwendige Liquidität in ausreichender Höhe verfügt.

Der erläuterte Liquiditätsverbrauch setzt voraus, dass die Gegenmaßnahmen bei den Kosten, Investitionen und im personellen Bereich realisiert werden, sich das Verkehrsszenario voraussichtlich ab Juni 2020 wieder langsam erholt und auf das Gesamtjahr gesehen in etwa der Hälfte des Vorjahres entspricht. Treten diese Prämissen nicht in der dargestellten Form ein, kann dies zu einem höheren Liquiditätsbedarf und infolgedessen zu einem früheren Verbrauch der bestehenden Liquiditätsreserven führen. Dieser gegebenenfalls höhere Liquiditätsbedarf kann durch die FMG auf dem Banken- und Kapitalmarkt gedeckt werden.

Prognostizierte bedeutsamste finanzielle und nicht-finanzielle Leistungsindikatoren:

Prognostizierte finanzielle und nicht-finanzielle Leistungsindikatoren

 

 

2019

 

2020

 

 

Ist

 

Prognose

 

 

 

 

 

 

von

 

bis

 

 

 

 

 

 

%

 

%

EBT (in TEUR)

 

256.822

 

Rückgang

 

deutlich

CO2-Einsparungen (in Tonnen)

 

24.280

 

Rückgang

 

-12,3

 

-7,3

Passagiererlebnisindex Gesamtzufriedenheit

 

81,84

 

unverändert

 

0,0

 

0,0

Insgesamt rechnet der Flughafen München mit einem deutlichen Rückgang des EBT. Das genaue Ausmaß des Rückgangs ist vor allem von der Dauer der Coronakrise abhängig und derzeit schwer abzuschätzen.

Bei den CO2-Einsparungen wird ein leichter Rückgang des Zielwerts für 2020 gegenüber den 2019 erreichten Einsparungen erwartet. Die am Flughafen München installierten PCA-Anlagen (Pre-Conditioned-Air-Anlagen) wurden sukzessive in den Normalbetrieb übernommen. Deren Nutzungsrate wird auf hohem Niveau verbleiben. Für das Jahr 2020 werden zusätzliche Einsparungen aus Effizienzmaßnahmen von über 2.300 Tonnen CO2 angestrebt. Die geplanten Maßnahmen sollen vor allem den Energiebedarf bei Beleuchtung und Raumlufttechnik verringern.

Der Flughafen München wird im Jahr 2020 die kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen in puncto Passagierzufriedenheit weiter intensivieren. So ist beispielsweise geplant, die Betreuung der Passagiere vor Ort mittels sogenannter Terminalmanager im Terminal 1 zu erweitern. Außerdem soll der Passagierkomfort in der Halle C-West weiter verbessert und zusätzliche Grenzkontrollstellen in Modul B errichtet werden, um die Ausreise für die Passagiere zu optimieren. Darüber hinaus wird in Modul D auf der Ebene 05 eine moderne Sicherheitskontrolle mit erhöhtem Komfort für die Passagiere entstehen. Im Terminal 2 sind Optimierungen für Reisende mit Kleinkindern geplant. Dies erfolgt beispielsweise durch einen umfangreichen Testlauf zur Bereitstellung von kostenlosen Buggys oder auch durch die Verbesserung der WLAN-Verfügbarkeit im Terminal, die für die Passagiere sehr wichtig ist. Weitere Verbesserungen in Bezug auf die Gepäckankunftszeiten strebt der Flughafen München für 2020 an, um die 2019 gesunkene Passagierzufriedenheit in diesem Bereich aufzufangen. Zudem wird die 2019 erfolgreich implementierte PAKS (Alternative Kontrollspur) weiter optimiert und in enger Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern um eine Doppelspur erweitert.

20 Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook, Januar 2020; Manager Magazin, IWF senkt Wachstumsprognose für China, 23.02.2020

21 International Monetary Fund, April 2020: The Great Lockdown: Worst Economic Downturn Since the Great Depression, 14.04.2020

22 ifo Institut, April 2020: ifo Schnelldienst, 15.04.2020

23 Website onvista, Januar 2020

24 Website onvista, April 2020, Stand 15.04.2020

25 Bayerisches Landesamt für Statistik, Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für Bayern bis 2037, Dezember 2018

26 Prognos Zukunftsatlas 2019, Juli 2019

27 Berlin-Institut/Wüstenrot Stiftung, Teilhabeatlas Deutschland, August 2019

28 IATA, Economics COVID-19, 14. April 2020

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